Historische Stadtquartiere - Baustelle Energieeffizienz

Das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz wird in diesem Jahr 20 Jahre alt und ist ein etablierter und erfolgreicher Bestandteil der Programmfamilie Städtebauförderung. Zahlreiche wertvolle historische Stadtkerne vor allem in den neuen, zunehmend nun auch in den alten Ländern konnten gesichert und bereits in erheblichem Umfang erneuert werden. Sie haben so ihre Prägnanz für das europäische Stadtbild erhalten oder wiedergewinnen können.

Der jährliche Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz als Forum für Austausch, Diskussion und Weiterentwicklung des Programms auf fachlicher und politischer Ebene hat sich als richtungsweisende Komponente der Programmbegleitung etabliert. Diese Tradition soll der 19. Kongress in Quedlinburg weiterführen.

Aktuell stellen die gesellschaftlichen Zielsetzungen zu Klimaschutz und Energieeinsparung die historische Stadt vor neue Herausforderungen. Das Thema Ernergieeffizienz im historischen Stadtquartier ist aber ein traditionelles: Das Stadtbild unserer historischen Stadtquartiere spiegelt wider, dass viele Jahrhunderte lang die Nutzung regionaler Baustoffe und Ressourcen, die Langlebigkeit und Haltbarkeit bzw. Reparaturfähigkeit bei der Planung und Ausführung von Gebäuden für die Architektur und das Stadtbild eine prägende Rolle spielte. Auch hinsichtlich der Kompaktheit und des Erschließungsaufwands sind die historischen Quartiere meist "effizient".

Trotz dieser im Grundsatz positiven Ausgangsposition historischer Stadtquartiere ist eine weitere energetische Effizienzsteigerung auch bei Altbauten und Denkmalen im historischen Quartier gefragt und unter dem Gesichtspunkt steigender Heizkosten sicher unumgänglich. Dabei sind es nicht die gesetzlichen Anforderungen: Die Energieeinsparverordnung stellt keine "Ansprüche" an die Energieeffizienz von Baudenkmalen und sonstiger besonders schützenswerter Bausubstanz; der Städtebauliche Denkmalschutz kann mit der EnEV gut leben. Die Gemüter bewegt vielmehr, auf welche Weise freiwillige Maßnahmen zur Effizienzsteigerung durchgeführt werden können. Trotz entsprechender Erfahrung bei der energetischen Sanierung von Gebäuden stößt die Umsetzung im historischen Stadtquartier vielfach an Grenzen, da sich hier ein Zielkonflikt zwischen denkmalpflegerischen und baukulturellen Ansprüchen auf der einen und dem Ziel nach Klimaschutzmaßnahme, Energieeinsparung und damit reduzierten Heizkosten auf der anderen Seite zeigt.
Das Thema "Energieeffizienz im Altbaubestand" ist derzeit vielfach auf Einzelgebäude konzentriert, da diese bislang das sichtbare Umsetzungsbeispiel der energetischen Sanierung im Altbaubestand sind. Für die Betrachtungsebene Historisches Stadtquartier gibt es Untersuchungen, Strategieüberlegungen und erste Ansätze, die aber auch noch am Anfang stehen. Eine Sanierungspraxis ist wünschenswert, die den hohen Qualitätsstandards, die der Städtebauliche Denkmalschutz errungen hat und etablieren konnte, genauso gerecht wird wie den Zielen des Klimaschutzes. Für die Betrachtungsebene Historisches Stadtquartier sollte daher frühzeitig eine sachliche und realistische Strategie entwickelt werden, die die kommunalen Steuerungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume gezielt in den Fokus nimmt, aber auch die besonderen Bedingungen im Historischen Stadtquartier berücksichtigt, etwa die heterogene und kleinteilige Eigentümerstruktur.

Der 19. Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz wird sich daher unter der Überschrift "Historische Stadtquartiere – Energieeffizienz bewegt" diesem Thema widmen. Es werden Erfahrungen zusammengetragen, die bereits mit energetischer Sanierung, deren Einbindung in integrative Stadterneuerung und insbesondere in Altbauquartiere gesammelt wurden. Ziel ist es, die Spielräume und Grenzen des quartiersbezogenen Ansatzes auszuloten, die Chancen, Herausforderungen und Handlungsfelder zu benennen sowie zu erörtern, welche Möglichkeiten die Kommunen in den entsprechenden gesetzlichen Grundlagen bereits finden und an welchen Stellen Anforderungen und Ansprüche des Städtebaulichen Denkmalschutzes zu berücksichtigen und zu formulieren wären.

Im Fokus stehen vor allem die Handlungsmöglichkeiten und -erfordernisse der kommunalen Akteure. Diese sollen durch die Beiträge und Diskussionen angeregt und aufgefordert werden, eigene energetische und denkmalbezogene Zielstellungen und Prioritätensetzungen zu formulieren sowie deren praktische Umsetzung unter Einbeziehung der Gebäude- und Grundstückseigentümer sowie weiterer Partner in den Gebieten des Städtebaulichen Denkmalschutzes anzugehen.

19. Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz 2011